Brunnen und Wasserspiele in Deutschland:

Brunnen in Memmingen

Bild "Memmingen_Freiheit_01.jpg"Bild "Memmingen_Markt_01.jpg"
Marktplatz in Memmingen
Die sehenswerte Altstadt von Memmingen verführt zum Träumen: Es sind jedoch nicht nur die prächtigen Bürgerhäuser und Plätze oder die pittoresken Straßenzüge mit dem Stadtbach inmitten, sondern es sind vor allem auch die Träume von Freiheit, die vor 500 Jahren hier in die sogenannten 12 Artikel gegossen wurden.

Memmingen - Stadt der Reformation, Stadt der Menschenrechte

Bild "Memmingen_Freiheit_04.jpg"Bild "Memmingen_Freiheit_02.jpg"
- so kann man es auf einer der in der Stadt aufgestellten Informationstafeln lesen:

"Schon früh fanden in der Reichsstadt Memmingen die Ideen der Reformation ihre Unterstützung. Ausgangspunkt war der Zugang eines Predigers aus Zürich. Christoph Schappeler kam 1513 vom Schweizer Reformator Zwingli nach Memmingen und begann seine Predigten in der Vöhlin'schen Kapelle der Martinskirche."

"Sein Wirken hatte enormen Zulauf und wurde zudem von dem Kürschner und Laienprediger Sebastian Lotzer unterstützt. Das Zusammenwirken zwischen Geistlichkeit und Laientum trug schließlich dazu bei, dass der Memminger Rat die Glaubensreform auch 'von oben' entschlossen vorantrieb. Bereits an Weihnachten 1524 wurde in Memmingen die Messe nach neuem Ritus gelesen und eine theologische Disputation im Rathaus am Marktplatz Anfang 1525 ließ die Reformation in den Augen der meisten Memminger als Sieger hervortreten.
In der allgegenwärtigen Auseinandersetzung um den rechten Glauben und das rechte Leben war Memmingen zu einem Vorreiter geworden. Die Last der Bauern, die der Stadt Untertan waren, wurde vom Rat gemildert und der Reformator Christoph Schappeler hörte nicht auf, von der Gültigkeit des göttlichen Rechts auch in weltlichen Dingen zu predigen.
Als im März 1525 die Vertreter der oberschwäbischen Bauernschaft einen Versammlungsort suchten, um über die Forderungen gegenüber ihren Herrschaften zu beraten, wählten sie Memmingen nicht ohne Grund. Die Stadt galt als progressiv und bauernfreundlich.
" (Textquelle: Infotafel vor der Martinskirche)

Der Freiheitsbrunnen



Seit 2014 steht auf dem Weinmarkt der von Andreas Brauneis entworfene Memminger Freiheitsbrunnen vor dem ehemaligen Zunfthaus der Weber. Zwölf ausbalancierte Platten symbolisieren die "12 Artikel", die von den Vertretern der Bauern hier 1525 in Memmingen formuliert wurden. An der Stele sind feine Düsen eingearbeitet, die (manchmal) einen Sprühnebel verbreiten. Im Sockel des Brunnens kann man auf kleinen Schrifttafeln Auszüge der Forderungen der 12 Artikel nachlesen. 500 Jahre später gelten die 12 Artikel als eine der ersten geschriebenen  Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten.

"Die zwölf Artikel: Das Treffen der Bauern aus dem Allgäu, vom Bodensee und von der Alb kann heute als erste verfassungsgebende Versammlung auf deutschem Boden bezeichnet werden. Unter Mitwirkung des Memminger Laienpredigers Sebastian Lotzer*) wurde in der Memminger Kramerzunft ein einheitlicher Forderungskatalog erstellt, den sie 'Die Zwölf Artikel' nannten. Darin wird unter Berufung auf das Wort Gottes festgehalten, dass es Prinzipien des Rechts gibt, die durch kein lokales oder sonstiges Sonderrecht außer Kraft gesetzt werden dürfen. Als Grundlage ihrer Forderungen beanspruchten die Bauern nichts anderes als 'das Evangelium zu hören und dem gemäß zu leben'. Die Bauern forderten die Legitimation und Beschränkung von staatlicher Gewalt in christlicher Verantwortung.
Die 'Zwölf Artikel' sind der Idee der Würde jedes einzelnen Menschen verpflichtet, eine Vorstellung, aus der wir heute die Universalität der Menschenrechte ableiten. In dem begleitenden Verfassungsentwurf, der 'Bundesordnung der christlichen Vereinigung', wurden zudem die Grundprinzipien politischer Gemeinwesen formuliert: Freiheit, Gerechtigkeit, Wahl, Selbstbestimmung und Mitbestimmung. (...)
" (Textquelle: Infotafel an der Martinskirche, Memmingen)
*) Mosaikleser (Mosaik Nr. 592, April 2025) wissen mehr: Die Abrafaxe  waren damals nämlich auch dabei. Doch Brabax' Idee ('Und das Land soll denen gehören, die es bearbeiten') wurde bei den Forderungen wieder gestrichen und somit für später aufgehoben ;-))

Der Marktbrunnen in Memmingen

Der Marktbrunnen vor dem prächtigen Renaissance-Rathaus hat eine bewegte Geschichte: Bereits sehr früh soll der Markt über eine Wasserstelle verfügt haben. 1566 wurde ein Brunnen aus Stein errichtet, der bis 1847 Bestand hatte, dann aber entfernt werden musste. 1870 wurde ein neuer Brunnen errichtet, doch bereits 1872 wieder abgebaut. Stilgerecht passt der heutige Brunnen sehr gut auf den Platz; er wurde 1994 von einer Memminger Firma gespendet.

Marktbrunnen
Bild "Memmingen_Brunnen1_01.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen1_02.jpg"
Bild "Memmingen_Brunnen1_03.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen1_04.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen1_05.jpg"

Der Fischerbrunnen

Bild "Memmingen_Brunnen4_02.jpg"
Stadtbach
Brunnen zu stiften hat in Memmingen Tradition: So wurde auch der Fischerbrunnen auf dem Schrannenplatz gestiftet, wie die Inschrift am Brunnen zeigt. Der 1955 aufgestellte Brunnen ist das Symbol des Memminger Fischertages, deshalb befindet sich auch eine Bronzefigur des Memminger Stadtbachfischers oben auf der Mittelsäule über den zwei übereinander angeordneten Brunnenschalen. Und so, wie sich der Fischer über seinen Fang freut, freuen sich die Memminger und ihre Besucher über die inzwischen erfolgte grundlegende Erneuerung des Brunnens.

Fischerbrunnen
Bild "Memmingen_Brunnen2_01.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen2_02.jpg"
Bild "Memmingen_Brunnen2_03.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen2_04.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen2_05.jpg"

Der Einhornbrunnen

Es macht Spaß, Memmingen zu entdecken - dabei sind aber nicht nur Brunnen gemeint. Ein interessanter Brunnen steht auf dem Platz vor der Frauenkirche - es ist der Einhornbrunnen. In der Frauenkirche hat sich eine umfangreiche Wand- und Deckenmalerei aus spätgotischer Zeit erhalten. Darunter auch ein Hortus conclusus (Garten) mit Elfenbeinturm, Gottvater u. a. sowie einer Einhorndarstellung! Diese diente Helmut Ackermann (1936-2017) als Anregung für den Brunnen.

Das Einhorn - ein mystisches Fabeltier
Bild "Memmingen_Brunnen3_01.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen3_02.jpg"Bild "Memmingen_Brunnen3_03.jpg"

Der Martinsbrunnen

Bild "Memmingen_Brunnen4_04.jpg"
Nachdenklich stimmt der Brunnen an der Martinskirche: Er zeigt den römischen Offizier bei der Teilung seines Mantels. In der Memminger Darstellung lässt der Offizier - anders als sonst oft - diesmal den weitaus größeren Teil des Mantels dem Bettler zukommen. Am Sockel lesen wir die Inschrift: "Zum Gedenken an die Bewahrung unserer Stadt vor Zerstörung am 26. April anno 1945". Was war geschehen?
Heranrückende amerikanischen Truppen hatten am 26. April 1945 die Stadt zur kampflosen Übergabe aufgefordert. Dem mutigen Engagement einiger Bürger und dem Bürgermeister war es zu verdanken, dass durch die Übergabe sinnlose Kämpfe und Zerstörungen damals vermieden wurden.

Darauf stoßen wir an:

Bild "2_next.png"
an die Mosel: Mosella