Extras: Glasmalerei in Magdeburg-Stadtfeld und Diesdorf

Die Glasfenster der Pauluskirche in Magdeburg-Stadtfeld

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Die Pauluskirche im Westen der Stadt Magdeburg wurde von 1894 bis 1896 erbaut. Um die Jahrhundertwende nahmen die Architekten in den Baustilen für Kirchen Anleihen an die altehrwürdigen Stile der Romanik und Gotik, weshalb ihre Art zu bauen als Neoromanik bzw. Neogotik bezeichnet wird. Die Pauluskirche ist ein typischer Vertreter dieser Neo-Baustile. Den Apostel Paulus finden wir übrigens gleich über dem Eingangsportal. Das Mosaik zeigt ihn mit einem Buch in der linken Hand, die rechte umklammert den Schwertgriff.
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Paulus über dem Eingangsportal
Im (neu) ausgemalten Kirchenschiff haben sich aus der Erbauungszeit Fenster der Glasmalereianstalt Ferdinand Müller, Quedlinburg, erhalten.
Oben im Chor zieht ein Rundfenster die Aufmerksamkeit auf sich. Es zeigt den Weltenherrscher Christus sitzend auf dem Regenbogen über der Erdkugel. Christus präsentiert dabei das geöffnete Buch mit den Buchstaben Alpha und Omega auf den Seiten, die Symbole für Anfang und Ende. Die rechte Hand ist zum Segensgruß erhoben. Sechs Ornamente mit Weinranken umgeben ihn.

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Innenraum (Chor) mit Christusfenster

Ornamentale Muster mit verschiedenen Blättern, Blüten und Früchten werden auch bei den anderen Fenstern im Kirchenschiff verwendet:

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Jesus und Nikodemus
Die figürlichen Szenen hingegen stellen konkrete Episoden aus den Evangelien dar: Im ersten Fenster sehen wir Jesus und Nikodemus. Es ist Nacht, der Mond scheint, eine Feuerschale spendet Licht und Wärme. Nikodemus gilt als Schriftgelehrter, doch hier wird er von Jesus belehrt, als die beiden sich über Glaubensfragen austauschen. Das zweite Bild erzählt die Geschichte der Begegnung Jesu mit der Samariterin. Jesus hatte die Frau am Brunnen Jakobs getroffen und sie um Wasser gebeten. Dabei offenbarte er sich und erzählte der Frau vom Glauben als dem lebendigen Wasser - denn nur mit diesem gelangt man zur ewigen Seligkeit. Im dritten Bild sehen wir Jesus und einen reichen Jüngling. Dieser wollte von Jesus wissen, wie er zur ewigen Seligkeit gelangt. Jesus sagte ihm, dass Reiche schwerlich in den Himmel kommen, er solle deshalb seinem Reichtum absagen und lieber alles den Armen geben...

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Abschließend schauen wir uns die Fenster noch einmal im Ganzen an:

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Wir verlassen die Pauluskirche, bleiben aber im Westen Magdeburgs und radeln (kann aber auch ein schöner Spaziergang sein) entlang der Schrote nach Diesdorf.


Magdeburg-Diesdorf: St. Eustachius und Agathe


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Das am Stadtrand liegende Diesdorf kann auf ein stattliches Alter verweisen, wurde der Ort doch bereits 937 in einer Urkunde Ottos I. erwähnt. Die Kirche ist ein im Kern romanischer Saalbau mit querrechteckigem Westturm, vermutlich aus dem 12./13. Jahrhundert. Später wurde immer wieder umgebaut, der Westquerturm erhielt im 19. Jahrhundert einen nicht ganz stilgerechten neogotischen Aufbau.

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"Trinität"
Die Kirche bekam in den Jahren 1946 bis 1948 neue Fenster, die nach den Entwürfen von Wilhelm Ritterbach (1884-1952) gestaltet und in der Glaswerkstatt Ferd. Müller, Quedlinburg, hergestellt wurden. Die zwei Fenster zeigen die Namenspatrone der Kirche (nordöstliches Chorfenster: hl. Eustachius, südöstliches Chorfenster: hl. Agathe, mit der Diesdorfer Kirche im Hintergrund!), aus dem mittleren Fenster im Osten blickt den Besucher das Auge Gottes, die symbolische Darstellung der Trinität, an. Das erste Fenster in der Südwand ist ein Weihnachtsfenster, es zeigt die Geburt Jesu und die Anbetung der Hirten unter einem leuchtenden Stern.
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Die Vorhalle ist seit 1929 eine Gedenkstätte für Kriegsgefalle. Auch sie erhielt neue Fenster. In der Ostwand sehen wir Christus als Weltenherrscher, das gegenüberliegende Fenster im Westen verweist "auf die Erlösung der Gefangenen Zions. Bemerkenswert ist die dort angegebene Zeitspanne 1914 bis 1946; nicht nur, dass sie augenscheinlich eine Verbindung zwischen den beiden Weltkriegen herstellt, sie macht zudem deutlich, dass nach Kriegsende noch Unzählige auf die Rückkehr kriegsgefangener Angehöriger warteten." (*)

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vor dem Konzert, 6.1.2026 mit
Orgel und Trompete
Eine schöne Tradition sind die alljährlich am 6. Januar stattfindenen Konzerte in der Kirche. Dabei kommt auch die wiederhergestellte Orgel zum Einsatz, deren barocker Orgelprospekt aus dem Jahr 1723 erhalten blieb. Das Instrument stammt von dem Magdeburger Orgelbauer Christoph Treutmann d. Ä., der möglicherweise ein Geselle des berühmten Orgelbaumeisters Arp Schnitger war. (*)

*) Faltblatt: Ev. Kirche St. Eustacius und Agathe Magdeburg-Diesdorf, Hrsg. Evang. Kirchspiel Magdeburg Stadtfeld-Diesdorf, Text (kursiv): A. Hornemann, Magdeburg, 2024
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nach Magdeburg Nordwest und Neu Olvenstedt