Romanische Türme an Dorfkirchen in Magdeburgs Umgebung


Ergänzung:

Die kleine Glocke - ein Schatz im Kirchturm zu Hakenstedt


Bild "Hakenstedt_Glocke_01.jpg"
Hakenstedt, Kirchturm
"In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts war Hakenstedt wahrscheinlich der Sitz einer Halberstädtischen Ministerial-Familie, die sich davon benannte, wie denn namentlich ein Dietrich und dessen Sohn Heinrich von Hakenstede in den Jahren 1151-1178 vorkommen.
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wird ein Schloss in Hakenstedt erwähnt, welches damals den Bischöfen von Halberstadt gehörte. Auf dem Schloss befand sich eine Kapelle, von deren Mauern noch heute Stücke vorhanden sind und deren Glocke noch jetzt als kleinste der drei im Kirchturm befindlichen Glocken hängt.
"
Aus der Geschichte des Dorfes Hakenstedt, nach Peter Wilhelm Behrends (1826), fortgeführt von Kantor Engelke, Hakenstedt (1903), entnommen aus /1/


Bild "Hakenstedt_Glocke_06.jpg"
Glocke von 1501
Bild "Hakenstedt_Glocke_04.jpg"
1501 schuf der Magdeburger Glockengießer Klaus Backmann eine zweite Glocke, die bis heute erklingt.
1526 erhielt die Kirche noch eine dritte, größere Glocke. Diese zersprang 1900 und wurde 1903 ersetzt. 1917 wurde sie als Metallspende für den 1. Weltkrieg eingeschmolzen, 1936 dann wiederum ersetzt.
1942 kamen die große Glocke von 1936 und die alte kleine Glocke auf den Glockenfriedhof Hamburg. Die große Glocke wurde zerschlagen. Doch die kleine alte Glocke konnte nach dem Krieg zurückkehren.
Wegen gravierender Schäden hing sie jedoch über Jahrzehnte stumm neben der größeren Schwester von 1501. Jetzt endlich (2025) konnte sie dank der Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, des Kirchenkreises und durch viele kleine und große Spenden repariert werden und zurückkehren. Am 21. Juni 2025 wurde die alte kleine Glocke feierlich eingeweiht. Und bei diesem Fest gab es im Kirchengarten Kaffee und Kuchen...

Bild "Hakenstedt_Glocke_02.jpg"   Bild "Hakenstedt_Glocke_03.jpg"
Einweihung/Indienstnahme der kleinen Glocke mit einem Fest

An diesem Tag war es auch möglich, den Turm zu besteigen und die beiden Glocken in Augenschein zu nehmen. Da ist das Schmuckstück:

Die kleine alte Glocke von Hakenstedt Bild "Hakenstedt_Glocke_05.jpg"

Hören*) Sie hier die beiden Glocken am Tag der feierlichen Einweihung (21.06.2025):
Die restaurierte "kleine" Glocke bei ihrem er-
sten Geläute ("Indienstnahme") am 21.06.2025
 
Die Glocke von 1501 zum Vergleich
 
*) Der verwendete Medienplayer funktioniert z. Z. leider nur mit dem Firefox-Browser :-(  
doch Sie können -> hier die beiden Audiodateien (mp3, jeweils ca. 300 kB) auch separat abspielen!

Bild "Hakenstedt_Glocke_07.jpg"
Dieser besondere Tag gab nicht nur Gelegenheit in das Innere des aus romanischer Zeit erhaltenen Turmes zu schauen, sondern auch die schön restaurierte hölzerne Gestaltung des Kircheninneren zu bewundern.

Die Altarwand mit dem Kanzelaltar stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1710 und wird Michael Helwig zugeschrieben. Zu gleicher Zeit entstand auch die Herrschaftsloge mit ihrer Bekrönung von Akanthusranken, Putten und Wappen. Der Orgelprospekt stammt aus dem Jahr 1850. 1905 wurde die Empore vergrößert, damals wurde auch die Deckenbemalung ausgeführt. /2/

Bild "Hakenstedt_Glocke_08.jpg"Bild "Hakenstedt_Glocke_09.jpg"
Bild "Hakenstedt_Glocke_10.jpg"Bild "Hakenstedt_Glocke_11.jpg"Bild "Hakenstedt_Glocke_12.jpg"
Bild "Hakenstedt_Glocke_13.jpg"Bild "Hakenstedt_Glocke_14.jpg"Bild "Hakenstedt_Glocke_15.jpg"

Manchmal gibt es verborgene oder kaum bekannte Schätze - die kleine Glocke in Hakenstedt gehört dazu. Sie hat die  Menschen des Dorfes über Jahrhunderte bei freudigen und traurigen Ereignissen, in Krieg und Frieden, begleitet. Möge sie zukünftig nur noch im Frieden läuten!

-----------
Quellen und Literatur:
/1/ Chronik Hakenstedt, Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung (AMF) , Bearbeiter: Kurt Bartels, Kappeln, Leipzig 2010, S. 104
/2/ Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bezirk Magdeburg (Neubearbeitung), Akademie Verlag Berlin, 1978


Bild "2_back.png"