Türme im Raum*) Magdeburg
*) Der Begriff ist willkürlich gewählt und bezieht sich auf einen Umkreis von 30-50 km rund um Magdeburg, die Auswahl der Objekte ist wie immer rein zufällig, stellt keine Bewertung dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Warttürme (Warten) und Landwehr

Bild "Warte_Seehausen_01.jpg"
Seehäuser Warte, Sa.-Anhalt
Bild "Warte_Wanzleben1_01.jpg"
Die "Blaue Warte" bei Wanzleben
Etwa vom 13. bis zum 15. Jahrhundert gab es im Umland mancher Städte sogenannte "Landwehren" - diese bestanden aus Gräben, oft kombiniert mit undurchdringlichem Gebüsch oder dornigen Hecken. An Straßendurchgängen und auf Erhebungen in der Landschaft standen Türme - die Warten. Von ihnen konnte man weit ins Land schauen und rechtzeitig die Annäherung von Feinden (oder Feuer) bemerken. Eine der frühesten städtischen Landwehren befand sich bei Helmstedt (Niedersachsen), die zu ihr gehörende "Magdeburger Warte" an der Landstraße nach Magdeburg wurde bereits um 1252 erbaut. Im (heutigen) Bundesland Sachsen-Anhalt waren dagegen auch eine ganze Reihe alleinstehender Warttürme vorhanden, so z. B. bei Aschersleben, Egeln, Eisleben, Haldensleben, Quedlinburg, Seehausen, Wernigerode. (Thomas Biller)
Bild "Warte_Wanzleben2_01.jpg"
Blick von der Weißen Warte zur
Burg Wanzleben, Sa.-Anhalt

Zwei Warttürme bei Wanzleben


Bei Wanzleben befinden sich im Südwesten die "Blaue" und im Westen die "Weiße" Warte. Die Weiße Warte ist bis heute von einer kleinen Ringmauer umgeben. Von hier aus ist auch der Bergfried der Burg Wanzleben gut sichtbar.
Die Weiße Warte bei Wanzleben, Sachsen-Anhalt
Bild "Warte_Wanzleben2_02.jpg"Bild "Warte_Wanzleben2_03.jpg"Bild "Warte_Wanzleben2_04.jpg"


Der Pulverturm bei Haldensleben

Nördlich von Haldensleben stoßen wir auf den etwas versteckt liegenden Pulverturm. Der Turm ist der Rest der ehemaligen zu Beginn des 15. Jahrhunderts angelegten Landwehr.

Bild "Haldensleben_Pulverturm.jpg"
Pulverturm in Haldensleben
Foto: P. Bölsche
Bild "Haldensleben_Landgraben1.jpg"
Skizze 1, R. Fischer
"Das Kernstück der Wehr war ein 7 km langer Graben, der bei dem heutigen Gut Detzel an der Ohre begann, sich durch die Moosbruchwiesen bis hinter die wüste Dorfstätte Steinförde hinzog, wo er sich südöstlich wandte. Hier folgte er etwa dem Pulverturmweg, der über die heutige Straße 71 hinweg nach dem Benitz und Neuenhofe führt. Vor dem Benitz schlug er die südliche Richtung ein, kreuzte die Neuenhöfer Straße in der Höhe des Warenbergs (hochdeutsch=Wartenberg) und erreichte die Ohre wieder westlich der Dammühle bei der wüsten Stätte Niendorf (Skizze 1).

Bild "Haldensleben_Landgraben2.jpg"
Skizze 2, R. Fischer
Bild "Haldensleben_Pulverturm_Cover.jpg"
Buchcover *)
Der Graben war mehr als 6 m tief, beiderseits mit ebenso breiten Wällen versehen, die mit dichtem undurchdringlichen Buschwerk bepflanzt waren (Skizze 2). Der Graben wurde in zweijähriger Arbeit aufgeworfen, in den Jahren 1402/03, wobei (...) die Bauern (...) mitzuhelfen hatten. Durch diesen Wall gab es nur zwei Durchlässe, die jeweils von einem immer besetzten hölzernen Wartturm gesichert wurden. Warten gab es auch dort, wo der Graben seine Richtung änderte, nordöstlich von Steinförde, der heutige Pulverturm, und auf dem Warenberge. Im Ernstfall wurden die Durchlässe mittels spanischer Reiter und Fußangeln unpassierbar gemacht. Das Gelände zwischen Landwehr und der Stadt war damals waldfrei, also immer zu übersehen." (...)
400 Jahre später im 19 Jh. wurde im Pulverturm die Munition eines Landwehrbataillons gelagert, was dem Turm damals seinen Namen einbrachte.
"Der Vollständigkeit halber seien auch noch die Warten im Süden und Westen der Stadt erwähnt. Die eine stand auf dem Hundisburger Berg und gewährte Einblick weit in die Börde hinein. Die andere krönte den Künneckenberg, rechts der Süplinger Chaussee vor dem Walde. Auch diese beiden Warttürme waren vom Frühjahr bis zum Herbst mit je einem Wächter besetzt, deren Entschädigungen wir bis zum Jahr 1492 in den Kämmereirechnungen aufgezeichnet finden. Einzige Zeugen der geschilderten unruhigen Zeitläufte und der aus diesem Grund geschaffenen Außenbefestigungen (der) Stadt sind der Pulverturm und einige Erdwälle an der Moosbruchwiese und in dem Waldstück Benitz."

Text (kursiv) aus: Roland, Kulturspiegel für den Kreis Haldensleben,1958, Zeichnungen von Robert Fischer, Haldensleben, gefunden auf: www.zeitreise-haldensleben.com
*) Buchcover: Neuhaldenslebische Kreis-Chronik oder Geschichte aller Oerter des landräthlichen Kreises Neuhaldensleben im Magdeburgischen: Mit Abbildungen und Karte. - Die Geschichte der Stadt Neuhaldensleben und des ehemaligen Klosters Althaldensleben, nebst einer angehängten Denkrede über die Einführung des Christenthums in dieser Gegend, Band 1, Peter Wilhelm Behrends, Eyraud, 1824 (digitalisiert von Google)


Drei Warttürme am Huy

Manche Warttürme sind zu Aussichtstürmen umgebaut worden und touristisch erschlossen. Über den Huy (ein kleiner Höhenzug in Sachsen-Anhalt) läuft zum Beispiel der Wartenweg, hier kommt der interessierte Wanderer an der Paulskopfwarte, der Sargstedter Warte und der Heiketalwarte vorbei. Von der Sargstedter Warte (im 15. Jahrhundert errichtet, 1884 zum Aussichtsturm umgebaut und 2009-/2013 saniert) kann man die Aussicht ins Harzvorland genießen...

Wartenweg und Sargstedter Warte
Bild "Warte_Sargstedt_02.jpg"
Bild "Warte_Sargstedt_01.jpg"
Bild "Warte_Sargstedt_03.jpg"
Bild "Warte_Sargstedt_04.jpg"Bild "Warte_Sargstedt_05.jpg"Bild "Warte_Sargstedt_06.jpg"


Recht gut erhalten ist die Helmstedter Landwehr mit drei Warttürmen, die man auf einem Rundweg (ca. 12 km Länge) erkunden kann. Die an den Warttürmen aufgestellten Informationstafeln geben zudem einen hervorragenden Überblick über Aufbau und Funktion einer Landwehr sowohl im Allgemeinen als auch im speziellen Fall Helmstedts. Der folgende Text (kursiv) ist diesen Tafeln entnommen und soll deshalb stellvertretend für Landwehren allgemein hier beispielhaft stehen. Starten wir also den Rundweg an der Magdeburger Warte:

Bild "Helmstedt_Landwehr_01.jpg"
Infotafel zur Helmstedter Landwehr

Die Helmstedter Landwehr

Aufbau der Landwehr. Im 14. Jh. wurden in ganz Deutschland Landwehren mit Warttürmen als Grenzschutzanlagen errichtet. Die Helmstedter Landwehr wurde bereits um 1250 angelegt. Sie ist eine der ältesten niedersächsischen Landwehren und eine der am besten erhaltenen.
Sie bestand aus einem Graben mit aufgeschütteten Wällen, dicht gepflanzten, undurchdringlichen Hecken und mehreren Warttürmen als Beobachtungsposten.

Gesamtlänge ca. 8 km, Gesamtbreite ca. 13 m, Grabentiefe ca. 2 m, Wallhöhe 0,60-0,90 m
Pflanzenarten: Hainbuche, Hasel, Weißdorn, Heckenrose u. a.

Verlauf der Landwehr. Der winkelförmige Verlauf orientierte sich an der Grenze zwischen dem Herzogturm Braunschweig und dem Erzstift Magdeburg. Innerhalb der Begrenzung befanden sich das Ludgerikloster, die Wasserreservoirs und die Fischteiche der Stadt.

Bild "Helmstedt_Landwehr_02.jpg"
Blick von der Magdeburger Warte
Schutzfunktion. Die Landwehr diente der Sicherung der Grenzen und dem Schutzdes Landes. Neben Wegelagerern stellte vor allem das Fehdewesenn und Raubrittertum eine Bedrohung dar.

Im Jahre 1200 wurde die Stadt Helmstedt durch ein Heer des Erzbischofs Ludolf von Magdeburg erobert und zerstört. Die kurz danach errichtete Landwehr war eine effektive Wegsperre, die alle wichtigen Zugänge von Osten in das Herzogtum Braunschweig und in die nächstgelegene Stadt Helmstedt blockierte. Es gab nur wenige Durchlässe, die streng kontrolliert wurden. Der wichtigste war die Heerstraße von Magdeburg nach Braunschweig, heute die (Bundesstraße) B1. Gleichzeitig war die Landwehr auch eine wirksame Einrichtung für die Zollerhebung.

Bild "Helmstedt_Landwehr_03.jpg"
Magdeburger Warte
Die Magdeburger Warte.
Erbaut ca. 1252, Neu aufgemauert 1855, Höhe heute 10 m, Breite ca. 5 m, Mauerstärke 1,10 m, Eingangshöhe 3,10 m

Als einziger der Warttürme hat die aus Sandsteinquadern errichtete Magdeburger Warte einen quadratischen Grundriss. Die vorkragende Brüstung und die Mauervorsprünge für Zwischendecken im Innern des Turmes sind der Restaurierung 1855 zuzuweisen. In der Süd- und Ostwand befinden sich Rundbogennischen, in denen Reliefplatten mit Wappen eingelassen waren. Der Zugang in etwa 3 m Höhe war nur mit einer Leiter erreichbar.
Die Magdeburger Warte hatte Sichtkontakt mit zwei Beobachtungstürmen auf der Stadtmauer von Helmstedt, nahe dem kleinen Wall.


Bild "Helmstedt_Landwehr_04.jpg"
Infotafel an der 1. Walbecker Warte
Landwehrdienst. Zum Dienst bei der Landwehr war zunächst jeder Grundstückseigentümer verpflichtet. Ab 1315 setzte man besoldete Stadtknechte ein. Dafür wurde eine neue Steuer eingefführt, der Wachtpfennig.
Organisiert vom Rat der Stadt, besetzten in Notzeiten Söldner und wehrhafte Bürger die Landwehr, die Warten und die Beobachtungstürme in der Stadt. Als Frühwarnsystem standen die Warten mit der Stadt Helmstedt und teilweise auch untereinander in Sichtverbindung. Die Ankunft von Feinden wurde frühzeitig bemerkt und durch Horn- oder Rauchsignale an die Stadt oder den nächsten Posten gemeldet. Man gewann so Zeit, die Verteidigung vorzubereiten.


Die 1.Walbecker Warte
Bild "Helmstedt_Landwehr_05.jpg"Bild "Helmstedt_Landwehr_06.jpg"Bild "Helmstedt_Landwehr_07.jpg"

Die 1. Walbecker Warte. Erbaut um 1416, Höhe heute 6 m, Durchmesser 4,10 m, Mauerstärke 1 m, Eingangshöhe 3,15 m
Der Rundturm aus Bruchsteinmauerwerk steht auf einem kleinen, künstlichen Hügel. Der rechteckige Türeinlass in 3,50 m Höhe ist heute zugemauert. Die Warte befindet sich an einer Wegverbindung nach Walbeck.
Die 1. Walbecker Warte nahm die Signale der zur Grenze gegen das Erzstift Magdeburg vorgelagerten 2. Walbecker Warte entgegen und leitete sie in Richtung Stadt weiter. Wahrscheinlich gab es einen korrespondierenden Beobachtungsturm auf dem Bötschenberg, der dann den Kontakt mit der Stadt herstellte.

Bild "Helmstedt_Landwehr_09.jpg"
Graben an der 2. Walbecker Warte
Landwehrpflege. Eine Verordnung des Abtes Gerhard von Werden aus dem Jahre 1252 verpflichtete die Bürger zur Errichtung der Landwehr und zweimal jährlich zur Instandhaltung. Zu diesen Gemeinschaftsarbeiten gehörten das Ausheben der Gräben, das Aufschütten der Wälle und das Knicken der Hecke. Letzteres war besonders zeitaufwändig: Die Äste der Sträucher wurden gebogen, geknickt und miteinander verflochten, so dass ein undurchdringliches Gebüsch entstand.
Wer Pflichten hat, hat auch Rechte: die Bürger durften für ihren Dienst das Wasser und die Bodenschätze aus dem Graben frei nutzen sowie die Waldfrüchte ernten.
Bild "Helmstedt_Landwehr_08.jpg"
Infotafel an der 2. Walbecker Warte

Die 2. Walbecker Warte

Erbaut um 1416
Höhe heute 6 m
Durchmesser 3,50 m
Mauerstärke 1 m
Eingangshöhe 3,50 m



Bild "Helmstedt_Landwehr_10.jpg"
2. Walbecker Warte

Der Rundturm besteht aus Bruchsteinmauerwerk und steht auf einem kleinen, künstlichen Hügel. Der rechteckige Türeinlass ist mit Werksteinen eingefasst und befindet sich in 3,50 m Höhe.
Die 2. Walbecker Warte bildet den nördlichen Abschluss der Helmstedter landwehr. Es bestand eine Sichtverbindung mit der 1. Walbecker Warte. Diese leitete die Alarmsignale an die Beobachtungstürme in der Stadt weiter. Damit bestand eine Frühwarnsystem von der Landesgrenze bis zur Stadt.

Die 2. Walbecker Warte - heute ein Turmstumpf mitten im Wald
Bild "Helmstedt_Landwehr_11.jpg"Bild "Helmstedt_Landwehr_12.jpg"

------------
Quelle des (kursiven) Textes: Informationstafeln an den Helmstedter Warten, Ein Projekt des Agenda 21 - Arbeitskreises der Stadt Helmstedt, Beratung, Redaktion und Layout: Dipl.-Ing. Heike Volkmann
------------
Falls Sie noch mehr (oder alles) über Landwehren und Warten erfahren möchten, dann empfiehlt sich die folgende Webseite: ->www.warttuerme.de


Bild "2_next.png"
Türme in der Altmark

oder